Latein

In vielen Sprachen Europas, besonders den romanischen Sprachen (Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Rumänisch), lebt Latein weiter. Latein ist die Basissprache Europas. Das liegt daran, dass die Römer vor etwa 2000 Jahren fast ganz Europa beherrscht haben. Jeder, der Asterix liest, weiß das.

Lateinische Originaltexte sind die beste Möglichkeit, sich mit den Gedanken, Ideen und Problemen der Römer auseinanderzusetzen. Antike Literatur, Geschichte, Mythologie, Philosophie und Rhetorik werden auch heute immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt. Wer sich mit lateinischer Sprache befasst, beschäftigt sich mit dem kulturellen Erbe der Antike.

Latein lebt heute weiter…

                        …in einem Fremdwort wie „Computer“ (lateinisch computare: zusammenre
                                 …in einem Lehnwort wie „Fenster“ (lateinisch fenestra).

Der Lateinunterricht ist durch seine vielfältigen Angebote an der Entwicklung der Persönlichkeit beteiligt, indem er z. B.

  • den Weg zu den Wurzeln unserer Lebensweise und Kultur in einem vereinten Europa zeigt.
  • zu einem eigenen Standpunkt herausfordert und einen bewussten Umgang mit den eigenen Gewohnheiten fördert. Der Lateinunterricht fordert zur Stellungnahme gegenüber einer als fremd empfundenen Kultur und Lebensweise auf und motiviert dazu, in kultureller Offenheit (fremde) Weltanschauungen kritisch zu überprüfen und sich in der Gegenwart zu orientieren.
  • das analytische Denken schult: Jede Lateinstunde gibt ein Rätsel auf, das man mit intelligentem Nachdenken lösen muss. Das macht vielen Spaß, besonders denen, die ihren Verstand mögen. Wer Latein lernt, übt genau hinzusehen, nach Regeln zu kombinieren, Zusammenhänge zu überblicken, mit Gründlichkeit, Präzision, Ausdauer und Fleiß zu arbeiten.
  • ·das Verständnis von Texten verbessert. Im Lateinunterricht steht das Übersetzen von Original­texten im Vordergrund. Dabei geht es darum, lateinische Texte zu erschließen und das Textver­ständnis in einer sorgfältigen deutschen Übersetzung auszudrücken. Latein ist eine Reflexionssprache ist, also eine Sprache, bei der man viel nachdenkt (lateinisch reflectere, deutsch reflektieren).
  • die Sprachfähigkeit in der Muttersprache (muttersprachliche Kompetenz) deutlich erweitert. Das gemeinsame Feilen an einer guten Übersetzung kommt der Ausdrucksfähigkeit und sprachlichen Sicherheit im Deutschen zugute. Zudem hilft die systematische Auseinandersetzung mit der lateinischen Grammatik beim Erlernen weiterer Sprachen.
  • die Kreativität der Schülerinnen und Schüler fördert. Durch das Schreiben und Inszenieren von Dialogen, die Umgestaltung lateinischer Texte in andere Formen wie z. B. Comics oder das Vertonen lateinischer Verse stellen sie das Textverständnis spielerisch-kreativ unter Beweis.
  • das Latinum als verbindlichen Abschluss nach sechs Jahren Latein, also nach der Klasse elf (bei ausreichenden Leistungen) ermöglicht. In vielen Studienfächern gilt das Latinum als Zugangsvoraussetzung, für andere ist es zwar nicht zwingend vorgegeben, das Studium mit Latinum gestaltet sich aber häufig effizienter. Denn Textverständnis als Basiskompetenz ist für jedes Studienfach unverzichtbar. Häufig ist es übrigens für Studenten zu Beginn des Studiums sehr mühsam, das Latinum in sogenannten „Crash-Kursen“ an der Uni nachzuholen.

Im Fach Latein kann man eintauchen in eine fremde und faszinierende Welt mit ihren Göttern (Jupiter, Mars, Neptun…), mit ihren großen Namen wie Caesar und Augustus und ihrer besonderen Lebensweise (Gastmähler, Wagenrennen, Thermen, Bauwerke usw.). Noch heute kann man im Mittelmeerraum viele Überreste der antiken Kultur bewundern, besonders in Rom oder Pompeji, aber auch bei uns im „römischen Germanien“, zum Beispiel in Köln, Xanten oder Trier, beliebten Klassenfahrtszielen.

Jedes Kind, das die Bereitschaft zum kontinuierlichen Lernen mitbringt, kann ab der 6. Klasse mit Erfolg Latein lernen. Das Fach eignet sich besonders für Kinder, die sich gerne Zeit zum Lesen nehmen, über das Gelesene nachdenken, gerne kombinieren und sich für Geschichte(n) interessieren. Auch visuell begabten Kindern kommt das Erlernen der lateinischen Sprache entgegen, da das Lateinische lesend und verstehend aufgenommen wird. Probleme der Rechtschreibung und Aussprache in der Fremdsprache entfallen; die Unterrichtssprache ist Deutsch. Die besondere Didaktik und Methodik des Lateinunterrichts bieten zudem eher zurückhaltenden Kindern vielfältige Chancen, sich mit den Ergebnissen ihrer Arbeit am Unterricht zu beteiligen.

Wissensdrang, eine ausgeprägte Lernbereitschaft und auch Begeisterung der Schülerinnen und Schüler für Neues sind beste Voraussetzungen, sich die Besonderheiten dieser Sprache anzueignen. Moderne Lehrbücher mit reichem Anschauungs-material aus der Antike unterstützen den entdeckenden Lernprozess. Wir Lehrerinnen und Lehrer sehen uns als Teil dieses Lernprozesses, den wir methodisch begleiten und Ihre Kinder individuell fördern. Lateinkenntnisse der Eltern sind nicht erforderlich.